Preis für Rügener Brot-Kampagne

13. Dezember 2015

Preis für Rügener Brot-Kampagne

Preis für Rügener Brot-Kampagne

Ostseezeitung / Maik Trettin
Artikel veröffentlicht: Samstag, 12.12.2015
Bäckerei Peters aus Mukran wurde für ihre Aktion „So schmeckt Rügen“ von der Branche ausgezeichnet

Andreas Zacharias war Bäckermeister – und offenbar so helle, wie man es den Sachsen gern nachsagt. Im Jahre 1730 machte er von sich reden, als er im Auftrag August des Starken mit einem 1,8 Tonnen schweren Stollen einen Weltrekord aufstellte. Diese Aktion gilt als nachweislich frühester Marketing-Gag des Bäckerhandwerks, das mittlerweile ähnlich ausgefallene Vermarktungsideen mit einem Preis bedenkt, der „Zacharias“ heißt. Der ist zwar keine 1,8 Tonnen schwer, bringt aber trotzdem einiges auf die Waage, wie Ursula Peters und ihr Sohn Nils bestätigen können. Ein Exemplar steht nämlich seit wenigen Tagen in der Vitrine des Sassnitzer Familienunternehmens.
„Für uns kam diese Ehrung völlig überraschend“, sagt der Bäckermeister. Denn während man sich üblicherweise um den mit 1000 Euro dotierten Innovationspreis bewirbt, ist die Jury aus Experten aus dem Bäckerhandwerk und der Kommunikationsbranche ganz von allein auf die Rüganer aufmerksam geworden. „Wir wurden gefunden“, sagt Peters lachend. Das gilt nicht nur für die Wettbewerbsjury, sondern auch für viele Kunden deutschlandweit. Mit ihrer Kampagne „So schmeckt Rügen“ scheint die Bäckerei in Mukran die Geschmacksnerven vieler Menschen angesprochen zu haben: Mehrmals in der Woche gehen von Rügen bis zu 100 Pakete mit Broten und anderen haltbaren Backwaren auf die Reise.
Ein Brot per Post – diese Idee hatten auch schon andere Bäckereien. Dass die Mukraner auf dem Gebiet zu den erfolgreichsten in Deutschland gehören, liegt vemutlich auch ein wenig am Perfektionismus der Macher. Die haben für den Versandhandel eigene Produkte entwickelt, allen voran das Salzwiesen-, das Rauchkorn- und das Rapshonigbrot. Sie kommen ebenso wie das Altdeutsche Schwarzbrot und andere Schrotbrote in eigens dafür georderte Verpackungen, bevor sie auf die Reise gehen. Die drei erstgenannten Brotsorten werden in speziellen Formen gebacken, die extra nach den Vorstellungen des Unternehmens angefertigt wurden. Jeder Laib wird mit einem Kärtchen versehen, auf dem steht, wann er aus dem Ofen kam und wer ihn gebacken hat. Damit, so Peters, hole man die Mitarbeiter auch ein wenig aus der Anonymität und schaffe Vertrauen bei den Kunden. Für die Brote haben die Mukraner Bäcker eine Rezeptur entwickelt, die sicherstellt, dass die Backwaren frisch beim Kunden ankommen. „Wenn so ein Brot aus dem Ofen kommt, kann man es gar nicht schneiden und essen. Das braucht noch ein, zwei Tage, bevor es seinen vollen Geschmack entfaltet“, sagt Peters. Diese Zeit zum „Reifen“ hat es in den Paketen, in denen es auf die Reise geschickt wird.
Zwei Drittel der Brote aus der Reihe „So schmeckt Rügen“ werden über den Versandhandel verkauft. Die Empfänger wohnen in ganz Deutschland, nicht nur in den typischen Schwarzbrothochburgen im Norden oder im Rheinland. Dass macht die Mukraner Bäcker in mehrfacher Hinsicht stolz. Zum einen, weil sie sich mit ihren Produkten als Botschafter der Insel sehen und zeigen, dass Rügen mehr ist als schöner Strand. Zum anderen, weil sie sich damit auch einer großen Konkurrenz stellen. Die Bäcker in der Nachbarschaft der Kunden in München oder Baden-Württemberg seien nicht selten etablierte und seit Jahren erfolgreiche Unternehmen mit ebenfalls sehr guten Produkten, sagt Nils Peters. Und nicht wenige Kunden seien „Ersttäter“, waren vorher noch nie auf Rügen, sondern haben von Bekannten, Nachbarn oder Verwandten von den Insel-Backwaren gehört und werden oft zu treuen Stammkunden, die ihren Bäcker auf Rügen per Mail auch schon mal nach einer Unterkunft und einem Ausflugstipp fragen.
„Wir leben von der Marke Rügen, also unterstützen wir sie auch“, erklärt Nils Peters die Strategie des einheimischen Unternehmens. Das Marketing sei der Bäckerei nicht von irgendeiner Agentur zurechtgeschneidert und übergestülpt worden. „Das haben wir hier vor Ort gemeinsam entwickelt.“ Diese Authentizität merke man der Kampagne an, bescheinigte denn auch die Jury bei der Verleihung des „Zacharias“ in München den Rüganern.

 

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